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Alles ist miteinander verbunden

Lernen von der Amazoniensynode

Was können wir in Deutschland von der Amazoniensynode lernen? Ausge­hend vom ökologischen Grundgedanken der Interrelationalität weist Stefan Silber auf eine christologisch begründete globale Ökologie, auf die Perspek­tive der Armen, die bereits heute unter den Folgen der ökologischen Katas­trophe leiden, und auf den Dialog mit den nichteuropäischen Kulturen hin. Problematisch ist jedoch das Ausbleiben einer Kritik des Patriarchats.

„Tudo está interligado / como se fôssemos um.“ Die Teilnehmerinnen der Bischofssynode für Amazonien, die bei der nachsynodalen Tagung in Würzburg im November 2019 von ihren Erfahrungen berichteten, hat­ten auch dieses Lied mitgebracht: „Alles ist miteinander verbunden, als ob wir alle eins wären.“ Diese Liedzeile war zur inoffiziellen Hymne wenigstens des Begleitprogramms der Synode avanciert.

Sie bringt einen wesentlichen Grundgedanken der Synode zum Aus­druck: Ökosysteme sind davon gekennzeichnet, dass in ihnen tatsäch­lich alles miteinander verbunden ist. In so komplexen und umfang­reichen Ökosystemen wie dem Amazonasbecken sind darüber hinaus nicht nur die Lebewesen, sondern auch die Gesellschaften, Kulturen und Staaten eng miteinander verbunden, so als ob sie „alle eins wären“. Ein pastoraler Zugang zu diesem Lebensraum, wie ihn sich die Bischofs­synode vorgenommen hat, muss diese Komplexität und Interdependenz berücksichtigen.

Das Schlussdokument der Synode und das nachsynodale Schreiben des Papstes lassen sich an diesem Anspruch messen: Ökologische und kli­matologische Erwägungen verbinden sich mit sozialen, menschenrecht­lichen, wirtschaftlichen und politischen Fragen. Die interkulturelle, in­terreligiöse und postkoloniale Analyse der Situation der Menschen im Amazonasgebiet vertieft und bereichert die ökologische und die soziale Perspektive und vernetzt sich mit ihnen. Außerdem verweisen beide Dokumente darauf, dass über Amazonien hinaus viele Fragestellungen auch mit uns in Europa verbunden sind. Sie rufen uns auf, in Deutsch­land von der Amazoniensynode zu lernen.

1. Die ökologische Perspektive

„Amazonien ist heute […] eine verwundete und entstellte Schönheit, ein Ort von Gewalt und Leid. Die Attentate gegen die Natur haben Kon­sequenzen für das Leben der Völker“ (Bischofssynode 10), schreiben die Bischöfe im Schlussdokument der Synode. Bereits vorher heißt es: „Der Urwald Amazoniens ist das ‚biologische Herz‘ der Erde, das mehr und mehr bedroht wird. Ungebremst läuft er auf den Tod zu“ (Bischofs­synode 2).

Die Bischofssynode zu Amazonien hatte nicht irgendein Umweltthema zum Gegenstand, sondern die Frage nach dem Überleben der Mensch­heit. Weltweit hat sich bereits sehr viel stärker als in Deutschland ein Bewusstsein von der Dramatik der ökologischen Katastrophe entwi­ckelt. Viele Menschen befürchten diese Katastrophe nicht mehr, son­dern erleben sie bereits am eigenen Leib.

Die Synode stellte sich damit einer Herausforderung, die die Welt insge­samt angeht, nicht nur die Katholiken und nicht nur in Amazonien. Der Mensch hat in den letzten Jahrzehnten die Ökologie des Planeten be­reits grundlegend verändert, außer dem Klima auch die Artenvielfalt, die Haushalte von Wasser und Kohlendioxid, die Ökosysteme der Oze­ane und der Regenwälder. Die globale Verweigerung in Politik und Wirtschaft, dem entgegenzusteuern, wird diese Veränderungen in naher Zukunft zu weiteren brandgefährlichen Wechselwirkungen führen und die zu Recht gefürchteten Kipppunkte auslösen.

Bereits in der Enzyklika Laudato siʼ hatte Papst Franziskus klargestellt, dass diese Fragen das Wesen des Christentums berühren. Denn die Schöpfung lässt sich christlich nur „über das Christusmysterium“ (LS 99) bestimmen. Christus ist „in der gesamten Schöpfung gegen­wärtig“ (LS 100). Deshalb „erscheinen uns die Geschöpfe dieser Welt nicht mehr als eine bloß natürliche Wirklichkeit, denn geheimnisvoll umschließt sie der Auferstandene und richtet sie auf eine Bestimmung der Fülle aus“ (ebd.).

Christlicher Einsatz für die Ökologie ist gemäß der Lehre des Papstes am Streben nach dieser „Fülle“ ausgerichtet, die sowohl eschatologisch wie auch materiell-physisch verstanden werden muss. Der menschenge­machten Zerstörung dieser Fülle muss hingegen mit Nachdruck wider­standen werden.

Papst und Bischöfe legen ihren Dokumenten ein ökologisches Weltbild zugrunde, in dem „alles was geschaffen wurde, vielfältig miteinander verbunden ist“ (Bischofssynode 44). Dies gilt in besonderer Weise für die Ökologie des Regenwaldes. Wasser und Erde, Pflanzen und Tiere, Menschen, Ethnien und Kulturen, Raubtiere, Fischer und Bergbau­unternehmen sind miteinander verbunden und voneinander abhängig. Ein Ökosystem ist nicht die Summe seiner Teile, sondern die unermess­liche Gesamtheit aller Beziehungen, die diese Teile untereinander pflegen. Jede Aggression gegen ein Teil hat Konsequenzen für das gesamte Netz.

In den Dokumenten der Synode wird darüber hinaus deutlich, dass diese komplexe Interrelationalität auch für die globalen Beziehungen gilt: für den Konsum und die Produktion von Gütern in Europa, für das internationale Finanzsystem und den Waffenhandel (vgl. Querida Amazonia 14).

Alles, wirklich alles ist eben miteinander verbunden. Deswegen gibt der Papst die Reflexion über die Ergebnisse der Bischofssynode der gesam­ten Weltkirche zur Reflexion auf (QA 4). Auch in Deutschland müssen wir Konsequenzen aus den Beratungen der Synode ziehen, die unserer Mitverantwortung in der globalen Ökologie gerecht werden.

2. Die Perspektive der Armen

Die Last der ökologischen Katastrophe tragen die Armen bereits heute. Neben Landraub und Vertreibung, dem Entzug der Nahrungsgrund­lagen von Fischern und Sammlern, Menschenhandel und Sextourismus, Gewalt gegen Frauen, Sklaverei und gezielten Morden an Führungsper­sönlichkeiten nennen die Bischöfe und der Papst auch die Zerstörung der Kulturen (vgl. Bischofssynode 10; QA 10 f.).

Aus der Perspektive der Armen ist der Klimanotstand keine apokalyp­tische Zukunftsvision, sondern bereits düstere Realität. In Amazonien gehören zu diesen „Armen“ neben den UreinwohnerInnen, die heute genauso wie in der Kolonialzeit nicht als Menschen ernst genommen werden, die Quilombolas, Nachkommen ehemals entlaufener Sklaven, die seit Jahrhunderten in Amazonien eigene Dörfer und Territorien be­wohnen, und die armen Flussanrainer, die oft ebenfalls seit Generatio­nen in traditioneller Weise von Fischfang, Ackerbau und Wildsammlung leben (vgl. QA 32). Diesen Menschen wird vielerorts durch Bergbau, Wasserkraft und Agrarindustrie die Lebensgrundlage entzogen, wenn sie nicht gleich von ihrem Land vertrieben oder ermordet werden.

Auch hier weist Franziskus anklagend auf die internationale Verantwor­tung für diese Menschenrechtsverletzungen hin: „Den nationalen oder internationalen Unternehmen, die Amazonien Schaden zufügen […], muss man den Namen geben, der ihnen gebührt: Ungerechtigkeit und Verbrechen“ (QA 14). In ihnen sieht er eine Fortsetzung der von Europa ausgehenden Kolonisierung unter neuen Vorzeichen; diese „nimmt […] kein Ende, sondern verändert, tarnt und verbirgt sich an vielen Orten, verliert jedoch nicht ihre Rücksichtslosigkeit“ (QA 16).

Im Namen eines Fortschritts- und Entwicklungsdenkens, das ein immer schnelleres und letztlich grenzenloses Wachstum fordert, werden Ver­brechen verübt, denen gegenüber die Kirche nicht teilnahmslos sein kann. „Man muss sich empören“ (QA 15), schreibt der Papst mit Blick auf Mose, Jesus und Gott selbst, deren zornige Leidenschaft für die Gerechtigkeit er in Erinnerung ruft.

Angesichts der verbreiteten Korruption, die diese Zerstörungen fördert und absichert, richtet Franziskus den Blick auch selbstkritisch auf die Kirche selbst: „Wir können nicht ausschließen, dass Mitglieder der Kirche Teil des Korruptionsnetzes waren; bisweilen ging dies soweit, dass sie zustimmten, im Austausch gegen finanzielle Unterstützung von kirchlichen Werken Stillschweigen zu wahren“ (QA 25).

Aus der Perspektive der Armen wird jedoch nicht nur das Ausmaß der Krise sichtbar, in der wir uns schon befinden, sondern es zeigen sich auch Wege, die beschritten werden können, um die schlimmsten Konsequenzen des ökologischen Notstands noch abzuwenden. Sie offenbaren sich im geduldigen und bereitwilligen Hören auf die Kulturen der anderen.

3. Ökologie der Kulturen

Der spezifische Fortschritt der Amazoniensynode gegenüber Laudato siʼ besteht im umfassenden Aufgreifen interkultureller Perspektiven in die ökologische und soziale Diskussion. Während die Zusammengehörigkeit des Schreis der Armen und des Schreis der Erde (QA 52) inzwischen als Teil der kirchlichen Sozialverkündigung gelten kann, wird nun aus der Erfahrung der verschiedenen Völker Amazoniens deutlich, dass sich echte Lösungen nur im Hören auf die unterschiedlichen kulturellen Weisheiten finden lassen.

Denn die vielfältigen Kulturen Amazoniens sind nicht Teil des Pro­blems, sondern der Lösung. Das Problem besteht im Vordringen der neoliberalen Ausbeutung in immer weitere Regionen Amazoniens. Diese Zerstörung wird von Kräften vorangetrieben, die selbst nicht in der Region beheimatet sind: Es ist ein neokoloniales Projekt (vgl. QA 29).

Der kulturelle Motor dieses Ausbeutungsprojekts ist ein philosophi­sches Denken, das in Europa wurzelt: Die Unterscheidung zwischen Subjekt und Objekt führt zu einer Trennung von beiden und lässt den Willen zur Eroberung, Ausbeutung und Plünderung des Objekts ent­stehen. Die radikale Unterwerfung der Natur seit der europäischen Neuzeit steht im Zusammenhang mit der wachsenden Entmytholo­gisierung und Rationalisierung westlichen Denkens (vgl. Mignolo 2007). Im 19. Jahrhundert wurden mit diesem Denken der Kolonialismus und seine rassistische und eurozentrische Ausbeutungspolitik legitimiert (vgl. QA 55 f.).

Im Dialog mit den Kulturen Amazoniens lässt sich dieses Herrschafts­denken demaskieren und aufbrechen. Es ist dafür notwendig, wie Papst Franziskus auf die Weisheit dieser Völker zu hören (QA 70). Er stellt die „kosmische Harmonie“ des „buen vivir“ (QA 71), des von den Indigenen vertretenen guten Lebens für alle in den Mittelpunkt, das zu einer „ver­antwortungsvollen Sorge für die Natur“ führt, „welche die Ressourcen für die nachfolgenden Generationen bewahrt“ (ebd.).

Diese kosmische Harmonie entsteht, wenn der Mensch – wie es die Weisheit der amazonischen Völker lehrt – sich mit allem in der Schöp­fung in Verbindung weiß: „Wir verteidigen nicht die Natur, sondern wir sind die Natur, die sich selbst verteidigt“, ist ein meme, das in den letz­ten Monaten in verschiedenen Sprachen auf diese indigene Haltung aufmerksam gemacht hat. Ähnlich schreibt Franziskus, dass wir uns mit Amazonien „innig verbunden fühlen und es nicht nur verteidigen: Amazonien wird zu uns gehören wie eine Mutter“ (QA 55).

Der Wald, die Tiere, die Erde sind in den indigenen Kulturen keine ex­ternen Objekte, die benutzt und verbraucht werden können, sondern Wesen, mit denen die Menschen verbunden sind und in Dialog stehen. Sie schulden ihnen Respekt; sie müssen sie um Erlaubnis bitten, bevor sie mit Jagd, Fischfang oder Rodung in sie eingreifen. Franziskus schreibt ganz ähnlich, dass „der Wald keine auszunutzende Ressource ist, sondern ein Wesen oder mehrere Wesen, mit denen man in Bezie­hung treten kann. Die Weisheit der ursprünglichen Völker Amazoniens inspiriert dazu, sorgsam und respektvoll mit der Schöpfung zu leben, im klaren Bewusstsein ihrer Grenzen, das jeden Missbrauch verbietet“ (QA 42).

Mit der oben skizzierten christologischen Deutung der Schöpfung ist es Franziskus möglich, mit dem mythologischen Naturverständnis der Völker Amazoniens in Dialog zu treten. Es ist für ihn ein wichtiges Werkzeug für die Heilung unserer Beziehungen zur Schöpfung.

Hier zeigt sich die größte Stärke des nachsynodalen Schreibens des Papstes: Der Dialog mit den nichteuropäischen Kulturen kann uns helfen, die kulturellen und damit auch theologischen Voraussetzungen zu schaffen, um die ökologische und soziale Krise, die der westliche Neokolonialismus ausgelöst hat, zu überwinden. Deswegen ist es von grundlegender Bedeutung, dass Franziskus diesen Dialog in den Kon­text der Begegnung der Religionen stellt und damit rechnet, dass der Heilige Geist ihn auch aus dem Schatz der nichtchristlichen Religionen heraus erleuchtet (vgl. QA 106). In dieser offenen Bereitschaft zum Zu­hören lässt sich der ethische Imperativ der amazonischen Weisheiten vernehmen, die kulturelle, spirituelle und politische Wege zur Über­windung der Krise zeigen.

4. Das Problem mit dem Patriarchat

Dieselbe offene Bereitschaft zum Zuhören lassen der Papst und die Bischöfe jedoch in einem anderen Bereich vermissen, dessen Analyse entscheidend zum Verständnis des Problems und der Wege zu seiner Lösung beitragen würde: Der ökologischen, sozialen und interkultu­rellen Analyse der ökologischen Krise müsste eine patriarchatskritische entsprechen. Diese wurde weder von der Synode noch vom Papst geleistet. Während die Synode noch einen zaghaften Versuch einer Wertschätzung der Frauen unternommen hatte (vgl. Bischofssynode 99–103), fällt Franziskus in erschreckender Weise in frauenfeindliche patriarchale Muster zurück (vgl. QA 99–103).

Der spezifische Beitrag feministischer Analyse zu Ursachen und Aus­wirkungen der ökologischen Zerstörung, den die ökofeministische Theologie leistet, wird jedoch von beiden Dokumenten nicht einmal gestreift. Denn der Ökofeminismus zeigt auf, wie sehr europäische kolonialistische Herrschaft, Zerstörung der Natur und die Ausbeutung von Frauen durch Männer derselben kulturellen Wurzel entspringen und daher nicht voneinander zu trennen sind (vgl. Gebara 2000).

Zwar problematisieren die Synodendokumente die in Lateinamerika grassierende Gewalt gegen Frauen, bringen sie aber nicht in einen ana­lytischen Zusammenhang mit der Gewalt, welche die Natur und die amazonischen Völker von denselben gesellschaftlichen Akteuren erlei­den. Schon gar nicht wird die Verantwortung der jahrhundertealten Misogynie der katholischen Kirche (deren kultureller Einfluss in Amazonien unbestritten ist) selbstkritisch angeklagt.

Dies ist mehr als bedauerlich. Denn eine umfassende Analyse der komplexen Herausforderungen, vor die Amazonien die Menschheit stellt, wurde auf diese Weise versäumt. Gerade weil alles miteinander verbunden ist, muss die Rolle der zerstörerischen Genderbeziehungen, für die gerade die Kirche eine hohe Mitverantwortung trägt, im Gesamt der ökologischen, sozialen und interkulturellen Krisensituation thema­tisiert werden.

Die Gelegenheit dazu wäre günstig gewesen: Über 50 % der Teilneh­menden am Vorbereitungsprozess waren Frauen und Mädchen. Selbst die Synode setzte deutliche Zeichen, dass sie zum ersten Mal relativ offen auf die Frauen hören wollte. Aber die Zeit für ein selbstkritisches Annehmen feministischer Kritik ist in der Kirche wohl noch nicht reif. Auch das ist ein Grund dafür, dass Frauen unverzüglich auf allen Ebenen der Verantwortung in der Kirche gleiche Rechte erhalten müssen.

5. Ganzheitliche Umkehr

„Das Hören auf die Klage der Erde und den Schrei der Armen und der Völker Amazoniens, mit denen wir auf dem Weg sind, ruft uns zu einer wahrhaft ganzheitlichen Umkehr auf“ (Bischofssynode 17). Die Bischöfe müssen sich bekehren, nicht die Armen und die Völker Amazoniens. Auch wir als Kirche in Europa werden zur Umkehr gerufen: in ökolo­­gischer, sozialer und kultureller Hinsicht, wie in diesem Zitat genannt, aber auch mit Blick auf die Gendergerechtigkeit.

  1. Unsere originäre Aufgabe in Europa muss es sein, dem ausbeute­rischen Kapitalismus und dem Wachstum der Wirtschaft prophe­tisch entgegenzutreten. Franziskus fordert daher konkret ein ethisches Investment (und Divestment!) der Kirchen und einzel­ner ChristInnen (QA 25). Hier hat die Kirche in Deutschland noch einen weiten Weg vor sich.
  2. Die Theologie in Europa muss sich verstärkt für theologische und philosophische Entwicklungen außerhalb Europas öffnen. Gera­de auch der Dialog mit nichtwestlichen Weisheiten und Denktra­ditionen, zwischen denen es weltweit noch einmal sehr große Unterschiede gibt, muss verstärkt werden. Er darf auch nicht vom hohen Ross einer europäischen Denkweise geschehen, die sich für universal hält und die eigenen Grenzen und Bedingt­heiten übersieht.
  3. Auch die Kirche in Europa muss Frauen und Mädchen endlich als völlig gleichberechtigt akzeptieren. Es fehlt ihr sonst nicht nur die Glaubwürdigkeit für eine prophetische Rolle zugunsten der Schöpfung. Durch den Ausschluss der Frauen partizipiert die Kirche vielmehr genau an der globalen Zerstörung der Ökologie, gegen die sie scheinbar ihre Stimme erhebt. In der Ökologie ist eben alles miteinander verbunden.

Im Synodendokument heißt es: „Angesichts der Notlage des Planeten und des Amazonasgebietes ist die ganzheitliche Ökologie nicht einer von vielen Wegen, den die Kirche […] wählen kann, sondern […] der einzig mögliche“ (Bischofssynode 67). Die gesamte Weltkirche muss eine ganzheitliche ökologische Umkehr vollziehen und sich ein ama­zonisches Gesicht geben: Sie muss von der Ökologie und der mensch­lichen Vielfalt dieser fruchtbaren und bunten Region lernen. So kann die Kirche selbst zu einem vielfältigen und lebendigen Organismus werden, der zum Erhalt des gemeinsamen Hauses beiträgt.