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Editorial

Liebe Leserinnen und Leser,

in seinem Schreiben an das pilgernde Volk Gottes in Deutschland vom 29. Juni dieses Jahres ruft Papst Franziskus erneut die Evangelisierung als das „Leitkriterium schlechthin“ in Erinnerung: „Evangelisieren bildet die eigentliche und wesentliche Sendung der Kirche“. In eben dieser Sendung gehört die Frage nach der „Leitung“ aktuell zu den großen Themen, mit denen sich die Pastoral beschäftigen muss. In der vorliegenden Euangel-Ausgabe sollen deshalb einige Perspektiven dazu in den Blick genommen werden. Dafür verbinden sich diesmal verschiedene thematische Zugänge, die sich dem Thema Leitung grundsätzlich wid­men mit Beiträgen, die die spezielle Frage der ehrenamtlichen Gemein­deleitung thematisieren. In diesem Kontext findet sich in dieser Euan­gel-Ausgabe auch die Teildokumentation des Vernetzungstreffens Ehrenamt, dessen Teilnehmer/innen 2018 unter der Überschrift „,Verantwortung teilen‘ – Ehrenamtliche in Gemeindeleitung“ in Erfurt zusammenkamen.

Grundlegend geht Hubertus Schönemann in seinem Beitrag der Frage der Bedeutung von Leitung in Prozessen der Evangelisierung und Kirchen­entwicklung nach. Yvonne von Wulfen berichtet anschließend von der Leitung von Pfarreien durch Pfarrbeauftragte im Bistum Osnabrück. Benedikt Jürgens, Leiter des Kompetenzzentrums Führung im Zentrum für angewandte Pastoralforschung (zap), be­schreibt in einem Erfahrungsbericht den Lernweg kirchlicher Führungs­entwicklung. Die außerhalb der Kirche üblichen Bedingungen, Logiken und Standards der Führungs- und Personalentwicklung kommen dabei auf dem Hintergrund von Prozessen der Kirchenentwicklung in den Blick. Malte Detje führt in das Konzept der Leitung als Servant Leader­ship ein – eine dienende Leitung, die es ermöglicht, die vielfältigen und oft irritierend-innovierenden Gaben, die Gott schenkt, zu entdecken und zu fördern. Thomas Schüller zeigt in seinem Beitrag aus kanonischer Perspektive, dass die Rede und die Praxis von „Leitung in der Kirche“ einerseits vielschichtig, aber doch mit großem Gestaltungsspielraum für Getaufte und Geweihte verbunden ist.

Hadwig Müller, deren Ausführungen zum Ansatz einer „zeugenden Pastoral“ im Dienst des Anfangendürfens bereits in der letzten Euangel-Ausgabe zu finden waren, formuliert daran anknüpfend Ideen zur ehrenamtlichen Gemeindeleitung, die „aus der Enge herausführen“. Dies war der Grundlagenimpuls der genannten Erfurter Tagung, die im Anschluss konkrete Erfahrungen bündelte: So berichtet Peter Adolf von den Erfahrungen von und mit Ehrenamtlichen in Gemeindeleitung im Pastoralkonzept des Petrus-Wegs der Pfarrei St. Petrus in Bonn, das er mit initiierte. Sein Schwerpunkt liegt auf der „Kultur des Rufens“, die bei diesem Ansatz zentral ist. Ergänzt wird dies von Margret Fühles rscj, die aus der Perspektive eines Mitgliedes der ersten „Equipe“ schreibt. Klaus Tilly stellt die Erfahrungen von und mit Ehrenamtlichen in Gemeinde­leitung im Rahmen der VOlK-Prozesses („Vor Ort lebt Kirche“) im Bis­tum Magdeburg dar. Die Eindrücke eines ehrenamtlichen Gemeinde­leitungsteams aus dem Bistum Osnabrück stammen von Bernd Overhoff, der für das Bistum Osnabrück besonders auf notwendige Kompetenzen und neue Rollen der Gemeindeteamerinnen, auf Herausforderungen und Erfolgsfaktoren eingeht. Abschließend schildert Robert Lappy die Erprobung kollegialer Lei­tung von Pfarrverbänden im Erzbistum München und Freising.

Eine anregende Lektüre wünscht Ihnen

Ihr