Inhalt

17 plus 1 Wegweiser zum Offenen Himmel

Die Erzdiözese Salzburg sammelt seit 2002 Erfahrungen mit jährlichen regionalen Projektwochen, die seit dem Jahr 2005 unter dem Titel „Offener Himmel“ stehen. Dabei geht es um drei Ziele:

Über den Glauben ins Gespräch kommen (Verkündigung)

  • in einer Atmosphäre, die einlädt zu Glaubensgesprächen und Glaubenserfahrungen
  • in Begegnungen, die überraschen und zugleich in die Tiefe gehen können

Christsein und Kirche sichtbar machen (Zeugnis)

  • in den Zeugnissen von Christinnen und Christen
  • durch die Öffnung und Gastfreundschaft kirchlicher Einrichtungen
  • durch MitarbeiterInnen und Ehrenamtliche, die auf Menschen zugehen

Gemeinschaft bilden und stärken (Engagierten Gutes tun)

  • im Zusammentreffen unter dem Zeichen des „Offenen Himmels“
  • im Erleben, Austauschen und Weitergeben des eigenen Glaubens

Die konkrete Gestaltung der jeweiligen Projektwoche wird zusammen mit den Pfarreien und KooperationspartnerInnen in der Region in einem mindestens einjährigen Prozess erarbeitet. Zur Projektwoche selber nehmen MitarbeiterInnen diözesaner Zentralstellen, Ordensan­gehörige, Theologiestudierende usw. in der Region Quartier und suchen vielfältige Begegnungen bei Veranstaltungen, Besuchen, Straßenak­tio­nen, Gottesdiensten.

Der Offene Himmel bietet einen Freiraum, eine Bühne, die bespielt werden kann, eine Plattform, die Projekte ermöglicht.

Willkommen ist alles, was Hoffnung gibt, was überrascht, was Men­schen zusammenbringt, was tröstet und erheitert, was zum Nachden­ken anregt und Zukunft schenkt.

Wir glauben: Das hat mit Gott zu tun!

In zehn Jahren sind einige Erfahrungen zusammengekommen, die wir als „17 plus 1 Wegweiser zum Offenen Himmel“ formuliert haben und in Form von Karten als Planungshilfe zur Verfügung stellen. Diese Weg­weiser wollen wir an dieser Stelle mit Ihnen teilen.

1. Treten Sie aus – und zwar aus dem Klub des Kirchenjammers!

Der Wirksamkeit des Evangeliums vertrauen.

Im Mittelpunkt steht die Zusage Gottes. Wir verkünden das Evangelium und nicht die Kirchenstruktur. Gottes Initiative ist allen unseren Leis­tungs­bilanzen längst voraus.

Der Engel aber sagte zu ihnen: Fürchtet euch nicht, denn ich verkünde euch eine große Freude, die dem ganzen Volk zuteil werden soll.
(Lukas 2,10)

2. Wenn man mickrig denkt, kommt auch etwas Mickriges raus.

Groß denken und mit weitem Herzen.

Die inneren Bilder bestimmen in hohem Ausmaß unser Tun. Wir wollen viele Menschen erreichen, also planen und rechnen wir auch mit vielen.

Gott ist größer als unser Herz.
(1. Johannesbrief 3,20)

Du wirst es sehen, und du wirst strahlen, dein Herz bebt vor Freude und öffnet sich weit. Denn der Reichtum des Meeres strömt dir zu, die Schät­ze der Völker kommen zu dir.
(
Jesaja, 60,5)


3. Das pastorale Hauptargument: Das haben wir immer so gemacht!

Neues hat Vorrang.

Der Offene Himmel ist ein Experimentierlabor. Er bietet einen Rahmen, in dem Ungewohntes gewagt und neue Wege ausprobiert werden kön­nen. Es geht in der Woche nicht einfach um eine Multiplikation oder Intensivierung von bereits Bekanntem.

Wenn also jemand in Christus ist, dann ist er eine neue Schöpfung:
Das Alte ist vergangen, Neues ist geworden.
(2. Korintherbrief 5,17)

Seht her, nun mache ich etwas Neues. Schon kommt es zum Vorschein, merkt ihr es nicht?
(
Jesaja 43,19)


4. Wo kämen wir denn da hin?! – In den Himmel.

Träumen ist erlaubt – spinnen ist sogar noch besser.

Es ist gut, sich nicht vorschnell einschränken zu lassen durch konkrete Rahmenbedingungen, scheinbare Sachzwänge, Bedenken, Befürch­tungen, allgemeine Skepsis und Jammereien oder Geschmacksurteile.

Danach aber wird es geschehen dass ich meinen Geist ausgieße über alles Fleisch. Eure Söhne und Töchter werden Propheten sein, eure Alten werden Träume haben, und eure jungen Männer haben Visionen.
(Joel 3,1)

5. Schaun wir mal, dann sehn wir’s schon.

Genau hinschauen.

Um Möglichkeiten aufgreifen zu können, um Begegnung und Gespräche zu ermöglichen, braucht es Aufmerksamkeit, Achtsamkeit.

Es lohnt sich besondere Orte, besondere Zeiten, besondere Menschen in den Blick zu nehmen.

Als er ihn sah, hatte er Mitleid, ging zu ihm hin, goss Öl und Wein auf seine Wunden und verband sie.
(Lukas 10,34f.)

6. Bei Gott bist Du der Star.

Auf regionale Kräfte vertrauen.

Gott verteilt großzügig die Gaben seines Geistes (Charismen), man muss nur hinschauen. Beim Offenen Himmel importieren wir keine Stars oder Gurus, die sonst auch überall auftreten und anschließend wieder weg sind, sondern wir vertrauen auf die guten Kräfte vor Ort.

Jesus sagte zu ihnen: Wie viele Brote habt ihr? Geht und seht nach! Sie sahen nach und berichteten: Fünf Brote und außerdem zwei Fische.
(
Markus 6,38)

7. Gemeinsam ist besser als einsam.

In Kooperation und Vernetzung.

Schon die Vorgehensweise in der Vorbereitung soll von der Begegnung geprägt sein: Auf andere zugehen, darüber ins Gespräch kommen, was „Offener Himmel“ für andere Menschen, Gruppen, Gemeinschaften, Organisationen bedeutet und was sich daraus ergibt. Möglichst viele Menschen sollen „ins Projekt verwickelt“ werden. Das Finden eines Kooperationspartners ist ein Umsetzungskriterium.

Denn jeder hörte sie in seiner Sprache reden.
(Apostelgeschichte 2,6)

8. Brannte uns nicht das Herz ...

Wer steht dahinter?

Ideen haben nur dann eine Chance auf Umsetzung, wenn es jemanden gibt, der sie konkret vorantreibt. Diese Personen müssen klar benannt sein. Auch die Teilnahmezahlen an Veranstaltungen, die daraus hervor­gehen, hängen davon wesentlich ab, ob wirklich jemand hinter dem Projekt steht.

Hört das Wort nicht nur an, sondern handelt danach; sonst betrügt ihr euch selbst.
(Jakobusbrief 1,22)


9. Yes, we can.

MöglichmacherInnen werden.

Den Himmel offen zu halten bedeutet Entfaltungsmöglichkeiten zu eröffnen. Manche Menschen wissen gar nicht, was sie alles können. Manche brauchen einfach Ermutigung. Manche brauchen einen Rah­men oder konkrete Unterstützung. Und manche brauchen „Geburts­hilfe“. Das Möglichmachen und das Zusammenarbeiten soll nicht von eigenen Geschmacks- und Milieugrenzen abhängig sein. Wertschätzung und Gastfreundschaft sind dabei zentrale Haltungen.

Denn für Gott ist nichts unmöglich.
(Lukas 1,34)

10. Locker bleiben, aber nicht locker lassen.

Die Nerven bewahren.

Zum Vorbereitungsprozess des Offenen Himmels gehört immer die Unübersichtlichkeit. Es ist ein großes Puzzle, das Gesamtbild ordnet sich erst ganz zum Schluss. Das voreilige Festhalten an einem Teil kann für diesen Prozess sehr hinderlich sein.

Es ist umsonst, dass ihr früh aufsteht und euch spät erst niedersetzt, um das Brot der Mühsal zu essen; denn der Herr gibt es den Seinen im Schlaf.
(Psalm 127,2)

11. Die Engelein, die kugeln gar haufenweis hervor.

Darf’s ein bisserl mehr sein?

Die Fülle gehört zur „Himmelserfahrung“. Haben Sie keine Angst davor. Sie schützen sich selbst am wirksamsten vor Überforderung, wenn Sie sich klar machen: Sie werden nicht überall dabei sein können und Sie müssen das auch nicht. Die Region ist so groß für viele Veranstaltungen und da sind so viele Menschen, die erreicht werden wollen.

Durch den Glauben wohne Christus in eurem Herzen. In der Liebe verwurzelt und auf sie gegründet, sollt ihr zusammen mit allen Heiligen dazu fähig sein, die Länge und Breite, die Höhe und Tiefe zu ermessen und die Liebe Christi zu verstehen, die alle Erkenntnis übersteigt. So werdet ihr mehr und mehr von der ganzen Fülle Gottes erfüllt.
(Epheserbrief 3,17–19)


12. Der Zweck heiligt die Mittel.

In allem das Eigentliche tun.

Das Erlebnis Offener Himmel beginnt schon mit den ersten Schritten. Die Ziele, über Gott ins Gespräch zu kommen, gelebtes Christsein sichtbar zu machen, Engagierte zu bestärken und zu vernetzen, sind bereits im Vorbereitungsprozess prägend.

Denn ich hatte mich entschlossen, bei euch nichts zu wissen außer Jesus Christus, und zwar als den Gekreuzigten.
(1. Korintherbrief 2,2)

13. Was nicht einfach geht, geht einfach nicht.

Echtheit.

Glaubwürdig wirkt etwas nur, wenn es auch stimmig ist. Der umfang­reichste Materialeinsatz, die witzigste Aktion nützt wenig, wenn sie nicht „innerlich gedeckt“ sind.

Die Dinge möglichst einfach zu halten, bringt oft den Kern, um den es geht, besser zur Geltung, spart Kräfte und Fehlerquellen. Kirche „unplugged“ wirkt oft überraschend gut.

Diesen Jesus hat Gott auferweckt, dafür sind wir alle Zeugen.
(Apostelgeschichte 2,32)

14. Kostet und seht!

Erlebnis ermöglichen.

Einfachheit und Echtheit widersprechen aber nicht einer sorgfältigen Inszenierung. Inszenierung ermöglicht Erlebnis und Erlebnis bewirkt Veränderung.

Sie staunten, konnten es aber vor Freude immer noch nicht glauben.
(Lukas 24,41)

Das, woran man den Apostel erkennt, wurde mit großer Ausdauer unter euch vollbracht: Zeichen, Wunder und machtvolle Taten.
(2. Korintherbrief 12,12)

15. Wo der Geist des Herrn ist, da ist Freiheit.

Dem anderen die Freiheit lassen.

Der Offene Himmel ist ein Angebot. Nicht nur den überraschenden Be­gegnungen im öffentlichen Raum tut bei aller Ernsthaftigkeit ein Schuss Humor gut, ein Kribbeln im Bauch, ein Augenzwinkern, das dem Ge­­gen­über die Freiheit eröffnet, sich einzulassen oder sich – aus welchen Gründen auch immer – zu entziehen. Und zwar ohne Gesichtsverlust.

Ich aber sage euch: Liebt eure Feinde und betet für die, die euch verfolgen, damit ihr Söhne und Töchter eures Vaters im Himmel werdet; denn er lässt seine Sonne aufgehen über Bösen und Guten, und er lässt regnen über Gerechte und Ungerechte.
(Matthäus 5,44f.)

16. Wovon das Herz voll ist ...

Nachhaltig?

Der Offenen Himmel strebt nicht an, dass die Fülle der Aktivitäten nach Abschluss der Begegnungswoche weitergeführt wird. Die eigentliche Nachhaltigkeit liegt erfahrungsgemäß in den Erlebnissen und den ent­standenen Kontakten.

Amen, amen, ich sage euch: Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und stirbt, bleibt es allein; wenn es aber stirbt, bringt es reiche Frucht.
(Johannes 12,24)

Sara aber sagte: Gott ließ mich lachen; jeder, der davon hört, wird mit mir lachen.
(Genesis 21,6)

17. Sie kehren wieder mit Jubel.

Gott ist schon da.

Wir müssen Gott nicht erst irgendwohin bringen. Er erwartet uns be­reits bei den Menschen und wir dürfen sein Wirken mitten unter uns staunend und dankbar entdecken und benennen. In der Begegnung mit anderen erschließt sich erst die Tiefe des Glaubens und wir kehren als Beschenkte heim.

Da gingen ihnen die Augen auf, und sie erkannten ihn; dann sahen sie ihn nicht mehr.
Und sie sagten zueinander: Brannte uns nicht das Herz in der Brust, als er unterwegs mit uns redete und uns den Sinn der Schrift erschloss?
(Lukas 24,31f.)

18. Auf das Herz hören statt auf gute Ratschläge ...

Nächste Projektwoche: Offener Himmel. Spirits for the new world, 2. bis 11. Oktober 2015 im Großraum der Stadt Salzburg.

Projektteam des Seelsorgeamtes: Wolfgang F. Müller, Johannes Wiedecke, Sebastian Schneider, Kurt Sonneck

www.offenerhimmel.at

 

Bilder mit freundlicher Genehmigung von offenerhimmel.at